Den linken Euro gibt es nicht

“Angesichts eines Euroraums mit heterogenen wirtschaftlichen Dynamiken muss sich die EZB bei der Setzung der Nominalzinsen an Durchschnittswerten orientieren und die Konjunkturen der Euro-Teilnehmer damit auseinandertreiben, statt zu ihrer Konvergenz beizutragen. Gleichzeitig schlägt der Euro seinen Teilnehmern drei der vier Instrumente makroökonomischer Anpassung aus der Hand: die Zinspolitik, die Wechselkurspolitik und, rechnet man den Fiskalpakt dem Euroregime zu, auch die Budgetpolitik. Die makroökonomischen Anpassungslasten verbleiben daher bei der Lohnpolitik und den Politikfeldern, die die Lohnpolitik mittelbar beeinflussen, was vor allem für die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik gilt. Wenn also heute in Europa allerorten Lohnflexibilität eingefordert wird, ist das nicht zuletzt eine direkte Folge des Euro. […]

Allerdings ist die Eurokrise nicht nur, erstens, eine Nachfragemangelkrise und, zweitens, eine private und öffentliche Verschuldungskrise, sondern auch und vor allem, drittens, eine Wettbewerbs- und Leistungsbilanzkrise. […]

Die Konjunkturkrise des Südens entfaltet sich aber vor dem Hintergrund einer erheblichen effektiven Überbewertung des Südeuros, entstanden aus der vom Euro selbst begünstigten Spaltung der innereuropäischen Wachstumsdynamiken bis zur Eurokrise und aus dem Mangel an Lohnkoordination. Jede Lösung der Eurokrise muss also nicht nur auf mehr Nachfrage im Süden hinwirken, sondern gleichzeitig darauf, dass sich die relative Überteuerung südeuropäischer Erzeugnisse wieder so weit abbaut, dass die wünschenswerten Belebungen der Binnennachfragen wirklich den heimischen Produzenten zugutekommen, statt lediglich neue Importschwemmen zu entfachen. Leider ist schwer zu erkennen, wie die Gleichzeitigkeit von Nachfragestabilisierung und Korrektur der verzerrten Wechselkurse innerhalb des Euro gelingen kann. Das macht die Kombination von Investitionsoffensive und kräftiger nominaler Abwertung (= Euro-Austritt) zu einer bedenkenswerten Option.

http://www.neues-deutschland.de/artikel/981418.den-linken-euro-gibt-es-nicht.html

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