Paul Krugman: Iceland, Ireland, and devaluation denial [Chart]

“One of the big lessons of the euro crisis has been that Milton Friedman was right — not about monetarism, but about the case for flexible exchange rates. When big adjustments in a country’s wages and prices relative to trading partners are necessary, it’s much easier to achieve these adjustments via currency depreciation than via relative deflation — which is one main reason there have been such big costs to the euro. […]

If you look at employment instead, as in the chart, Iceland did far better than Ireland; and Icelandic unemployment similarly shows a much more favorable picture. Less formally, everyone I know who tracked both countries has the sense that the human toll in Iceland was much less than it was in Ireland.

Oh, and if you remember, everyone expected the Icelandic crisis to be much worse, given the incredible scale of the banking overreach […].

I guess I understand the urge to make excuses for the single currency. But the evidence really does suggest that there are important advantages to keeping your own currency.

http://krugman.blogs.nytimes.com/2015/11/27/iceland-ireland-and-devaluation-denial/

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Sahra Wagenknecht: Demokratie im Würgegriff

“Sieht man von einigen Oligarchen ab, die Teile der ‘Rettungskredite’ in die eigene Tasche abzweigen oder sich öffentliches Eigentum zu Spottpreisen aneignen konnten, kann von einem Erfolg der Troika-Programme in Ländern wie Irland, Portugal, Spanien oder Zypern keine Rede sein. In all diesen Ländern ist die Staatsschuldenquote durch die Bankenrettungs- und Kürzungspolitik nach oben geschnellt, hat die Armut zugenommen, wurden die Perspektiven einer ganzen Generation zerstört und das Wohlstandsniveau dauerhaft abgesenkt.

Zwar zieht das Wirtschaftswachstum in einigen Ländern wieder an, doch über die Verteilung sagen derartige Ziffern nichts aus. Kern der Troika- Programme aber ist die Umverteilung von unten nach oben. Während etwa in Griechenland die Durchschnittseinkommen um über 30 Prozent, die der einkommensschwächsten 10 Prozent der Haushalte sogar um 86 Prozent geschrumpft sind (vgl. Giannitsis Zografakis in einer Studie im Auftrag des IMK in der Hans-Böckler-Stiftung, März 2015), ist das Vermögen der rund 500 griechischen Multimillionäre allein 2013 um ein Fünftel auf 60 Milliarden Dollar gewachsen (vgl. Billionaire Census der Beratungsfirma Wealth X und der Schweizer Großbank UBS).

Ferner haben die Troika-Programme zu extremer Arbeitslosigkeit beigetragen, wobei die Dramatik aus den Statistiken nicht immer direkt ersichtlich ist. So stieg die Arbeitslosigkeit in Portugal zwischen 2010 und 2014 beispielsweise ‘nur’ von 12 auf 14 Prozent, was in erster Linie daran liegt, dass jährlich über 100 000 Menschen das Land verlassen – die größte Auswanderungswelle, die Portugal jemals erlebt hat (vgl. Viktoria Morasch in der Zeit vom 5. Januar 2015).

Auch Spanien ist kein Beispiel für erfolgreiche Troika-Politik, im Gegenteil. Dass die Wirtschaft dort wieder wächst, hat allein damit zu tun, dass der Kürzungskurs 2013 beendet wurde und seitdem wieder kräftig Kredite aufgenommen werden, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die damit verbundene Verletzung der Maastricht-Kriterien interessiert kaum jemanden, schließlich werden die Regeln in diesem Fall von einer konservativen Regierung verletzt, die man an der Macht halten will.

Auch Irlands Wirtschaft profitiert von einer Regelverletzung: Während Griechenland ein Schuldenschnitt verweigert wird mit dem Argument, dass es der EZB verboten sei, Staaten zu finanzieren, hat man von diesem Verbot in Irland abgesehen und über 30 Milliarden an EZB-Krediten in langfristige Anleihen umgewandelt, die erst ab 2038 getilgt werden müssen (vgl. Harald Schumann im Tagesspiegel vom 27. Juli 2015).”

http://www.nachdenkseiten.de/?p=28807#more-28807

Griechenland kann nur ein Schuldenschnitt helfen

„Für das gebeutelte Griechenland ist nach dem Modell von Prognos kein Ende der Krise in Sicht. Bis Anfang der 2020er-Jahre werde die griechische Volkswirtschaft bei sehr hoher Arbeitslosigkeit weiter um 0,8 Prozent pro Jahr schrumpfen, sagen die Forscher voraus. Und das gelte sogar bei dem optimistischen Szenario, dass weitere Schocks ausblieben und das Land den Euro behalte.

Erdrückend bleibt für die Griechen über Jahrzehnte die hohe Schuldenlast. Seit 2008 hat sich das Verhältnis von Schulden zum Bruttoinlandsprodukt, die sogenannte Schuldenstandsquote, auf rund 200 Prozent fast verdoppelt. Bis zum Jahr 2022 werde sie auf 245 Prozent ansteigen, so die Prognose.

Prognos-Chefökonom Böhmer ist deshalb überzeugt: ‚Ohne einen Schuldenschnitt wird Griechenland nicht wieder auf die Beine kommen.‘ Einen solchen Schnitt, bei dem die Gläubiger nicht nur Zins und Tilgung stunden, sondern die Schulden komplett streichen, lehnt die Euro-Gruppe, allen voran Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), allerdings bisher kategorisch ab.

‚Es benötigt eine Generation, bis es den Griechen wieder so gut geht wie vor der Krise‘, sagt Böhmer voraus. Seit 2008 hat das Land mehr als ein Viertel seiner Wirtschaftskraft eingebüßt. Heute ist jeder vierte Grieche arbeitslos gemeldet. Die Europäische Kommission hatte immer wieder eine spürbare Besserung binnen Zweijahresfrist vorausgesagt.

Erst in den 2020er-Jahren könne Griechenland mit einem jährlichen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von mehr als zwei Prozent auf einen ’stabilen Wachstumspfad‘ gelangen, heißt es dagegen bei Prognos. Erst im Jahr 2034 sei das Vorkrisenniveau wieder erreicht. Bis sich der Anteil der Erwerbslosen bei vergleichsweise immer noch hohen zehn Prozent einpendele, würden rund 25 Jahre vergehen.“

http://www.welt.de/wirtschaft/article148304320/Dieses-Rezept-soll-das-Land-vor-Ueberalterung-retten.html