Wolf Lepenies: Deutsche Lust am Alleingang

Ein wenig off-topic, aber dennoch erhellend:

“In der ‘Willkommenskultur’ zeigte sich erneut die deutsche Lust am Alleingang. Nie hätte sich in den Gremien der EU eine mit diesem Etikett versehene Politik durchsetzen lassen. Verstärkt durch die historische Semantik des Kulturbegriffs gewann das nationalpolitische Projekt der Willkommenskultur seinen exemplarischen Anspruch: Nur wir Deutschen tun, was alle Europäer tun sollten. Dabei war es ein Irrtum anzunehmen, durch die großmütige Haltung in der Flüchtlingskrise werde Deutschland nach der ökonomischen und politischen auch die moralische Führungsrolle auf dem Kontinent übernehmen. Deutsche Arroganz in der Fiskal- und Schuldenpolitik werde durch die Empathie gegenüber den Flüchtlingen mehr als kompensiert werden. Das Gegenteil ist eingetreten: Deutschland gilt als moralischer Parvenü, der sein Gutmenschentum auf Kosten der anderen Europäer zur Schau stellt.”

http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article151508825/Deutsche-Lust-am-Alleingang.html

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Griechenland kann nur ein Schuldenschnitt helfen

“Für das gebeutelte Griechenland ist nach dem Modell von Prognos kein Ende der Krise in Sicht. Bis Anfang der 2020er-Jahre werde die griechische Volkswirtschaft bei sehr hoher Arbeitslosigkeit weiter um 0,8 Prozent pro Jahr schrumpfen, sagen die Forscher voraus. Und das gelte sogar bei dem optimistischen Szenario, dass weitere Schocks ausblieben und das Land den Euro behalte.

Erdrückend bleibt für die Griechen über Jahrzehnte die hohe Schuldenlast. Seit 2008 hat sich das Verhältnis von Schulden zum Bruttoinlandsprodukt, die sogenannte Schuldenstandsquote, auf rund 200 Prozent fast verdoppelt. Bis zum Jahr 2022 werde sie auf 245 Prozent ansteigen, so die Prognose.

Prognos-Chefökonom Böhmer ist deshalb überzeugt: ‘Ohne einen Schuldenschnitt wird Griechenland nicht wieder auf die Beine kommen.’ Einen solchen Schnitt, bei dem die Gläubiger nicht nur Zins und Tilgung stunden, sondern die Schulden komplett streichen, lehnt die Euro-Gruppe, allen voran Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), allerdings bisher kategorisch ab.

‘Es benötigt eine Generation, bis es den Griechen wieder so gut geht wie vor der Krise’, sagt Böhmer voraus. Seit 2008 hat das Land mehr als ein Viertel seiner Wirtschaftskraft eingebüßt. Heute ist jeder vierte Grieche arbeitslos gemeldet. Die Europäische Kommission hatte immer wieder eine spürbare Besserung binnen Zweijahresfrist vorausgesagt.

Erst in den 2020er-Jahren könne Griechenland mit einem jährlichen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von mehr als zwei Prozent auf einen ‘stabilen Wachstumspfad’ gelangen, heißt es dagegen bei Prognos. Erst im Jahr 2034 sei das Vorkrisenniveau wieder erreicht. Bis sich der Anteil der Erwerbslosen bei vergleichsweise immer noch hohen zehn Prozent einpendele, würden rund 25 Jahre vergehen.”

http://www.welt.de/wirtschaft/article148304320/Dieses-Rezept-soll-das-Land-vor-Ueberalterung-retten.html

Juncker: “Europa ist zu einem Projekt der Eliten geworden” [Interview]

Frage: Das Projekt Europa hat also nichts verändert?

Juncker: Die Europäer mögen ein Europa nicht, das sich mit Erklärungen schwertut. Europa ist zu einem Projekt der Eliten geworden, das erklärt auch den Widerspruch in der Wahrnehmung zwischen der öffentlichen Meinung und Brüssel. Sicher ist: Wir können nicht so weitermachen wie bisher.”

Wow… Wenn das schon der oberste Sachwalter der Eliten so sieht…

http://www.welt.de/politik/ausland/article144328208/Abkommen-mit-Athen-ist-auf-der-Basis-von-Angst-entstanden.html

Hans-Werner Sinn: Der Konkurs Griechenlands hat schon stattgefunden

“‘Griechenland ist insolvent, der Konkurs hat bereits stattgefunden’, sagte der Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. ‘Was wir jetzt erleben, sind die Konkursverhandlungen.’ Damit teilt Sinn die Analyse des griechischen Finanzministers Janis Varoufakis, der seit Wochen die Ansicht vertritt, Griechenland sei de facto pleite. ‘Man braucht für Griechenland einen Schuldenschnitt, dieser Wahrheit müssen die Gläubiger ins Auge sehen’. […]

Das alleine reicht aus Sicht des Ökonomen aber nicht: ‘Das Land muss wettbewerbsfähig werden, und das geht nur mit einer Rückkehr zur Drachme.’”

http://www.welt.de/wirtschaft/article137620122/Der-Konkurs-Griechenlands-hat-schon-stattgefunden.html

Barry Eichengreen: “Der Euro war aus heutiger Sicht ein Fehler” [Interview]

Sie müssen den Griechen wieder Luft zum Atmen geben, das ist auch im Interesse der Gläubiger. Ich würde dafür plädieren, die Zinszahlungen der Anleihen an das Wirtschaftswachstum zu koppeln. Nur wenn die griechische Wirtschaft wächst, muss das Land dann Zinsen zahlen, ansonsten werden diese einfach gestundet. Das ist allemal besser, als das Land in die Pleite zu treiben und die Gläubiger leer ausgehen zu lassen. Sogenannte wachstumsgekoppelte Anleihen würden auch den deutschen Steuerzahler nichts kosten.” (Barry Eichengreen)

http://www.welt.de/wirtschaft/article137495487/Der-Euro-war-aus-heutiger-Sicht-ein-Fehler.html