Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss und Spardiktat: Damit muss Schluss sein

“Egal, ob unser Finanzminister mal eben über demokratische Entscheidungen in Griechenland hinwegzieht und den Griechen ein Spar- und Reformprogramm ferndiktiert, für deren anders gelagerte und harmlosere Variante Deutschlands Wähler Gerhard Schröder in die Wüste geschickt haben, bevor es so weit kommen konnte – ganz abgesehen davon, dass es mittlerweile etliche solide Studien gibt, die belegen, dass so eine Politik alles nur schlimmer macht. Und wir uns damit selber schaden, weil wir noch länger auf unser Geld warten müssen.

Egal, der Deutsche (respektive sein Finanzminister) weiß es besser. Wir haben ja Erfolg. Und Erfolg gibt recht. Klappe!

Man braucht sich über Unmut nicht zu wundern, wenn Deutschland de facto zu den ersten Ländern zählte, die den Stabilitätspakt gebrochen haben (weil es inmitten von Stagnation und Reformwirren gar nicht anders geht, wenn man Wirtschaft und Volk nicht ruinieren will) – und jetzt aus demselben Deutschland fast täglich Belehrungen kommen, dass das in Frankreich oder Italien in vergleichbarer Lage nicht geht, weil das halt Schluderer sind. Was für eine Arroganz. Das ist dreist und frech zugleich.”

http://www.spiegel.de/wirtschaft/deutschlands-leistungsbilanzueberschuss-und-spardiktat-damit-muss-schluss-sein-kolumne-a-1145156.html

Widerstand gegen harten Sparkurs: Spaniens vorbildliche Sünden

„Wenn Spaniens Wirtschaft aus der Rezession gekommen ist, dann gerade weil die Regierung irgendwann aufgehört hat, wie irre Ausgaben zu kürzen und Steuern anzuheben. Und stattdessen die Konjunktur auch mal wieder ankurbelt. Den letzten großen Sanierungsschub gab es gemessen am Abbau des strukturellen Staatsdefizits 2013. Im Jahr 2014 wurde der Fehlbetrag kaum noch abgebaut, will heißen: den Menschen im Land kaum noch Geld abgenommen.

Vergangenes Jahr stiegen dann die staatlichen Konsumausgaben erstmals seit Langem wieder, ebenso wie die öffentlichen Investitionen, die von 2,1 auf 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung stiegen. Vor allem ließ Rajoy im Wahljahr die Steuern senken.

Ist es ein Zufall, dass 2014 auch die Wirtschaft wieder anzuziehen begann? Und dass das Wachstum just 2015 auf mehr als drei Prozent beschleunigte? Dass seitdem die Menschen in Spanien wieder mehr Geld ausgeben und dank des Aufschwungs auch die Arbeitslosigkeit endlich wieder sinkt? Natürlich nicht.

So ist das eben mit den gesamtwirtschaftlichen Wirkungsketten. Nichts für einfache Gemüter oder religiöse Sittenwächter.“

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/spanien-verweigert-harten-sparkurs-thomas-fricke-kolumne-a-1093159.html