Sahra Wagenknecht: Eurozone: Wir brauchen einen Plan B

“Der Euro sollte die europäische Einigung vollenden. In der Realität bewirkt er aber das Gegenteil. Ökonomisch wie politisch driften die Staaten der Eurozone auseinander.

Während deutsche Exportkonzerne nicht zuletzt dank des durch die Agenda 2010 ermöglichten Lohndumpings ihre Vorherrschaft ausbauen und auch der deutsche Staat von der Kapitalflucht aus den Krisenländern profitiert, werden Länder mit kämpferischeren Gewerkschaften deindustrialisiert, leiden unter hoher Arbeitslosigkeit und müssen sich wegen wachsender Verschuldung Kürzungs- und Privatisierungsdiktaten unterwerfen. Nicht, wer angesichts dieser Situation über Alternativen zur Einheitswährung nachdenkt, sondern wer das nicht tut, muss sich den Vorwurf des Nationalismus gefallen lassen.,29552916,31622664.html

Greece and Germany have more in common than you might think

“It would be wrong, to regard the conflict over the way out of the crisis as one between Germany and Greece. German workers for example have not benefited from the export success. In fact, increases in German productivity have to a significant extent resulted from drastic downward pressure on wages and working related conditions.

German employers have relentlessly squeezed their workers and the country’s export success has been built on increasing inequality within German society. Hence, the real conflict here is between workers and big business. This takes place across the EU, as employers have abused the post-crisis environment to lower wages, increase zero hour contracts and undermined trade unions’ collective bargaining rights, all the while preserving their profits.”

The Conversation: Varoufakis in conversation with leading academics

“Mark Taylor, University of Warwick: Would you agree that Greece does not fulfil the criteria for successful membership of a currency union with the rest of Europe? Wouldn’t it be better if they left now rather than simply papering over the cracks and waiting for another Greek economic crisis to occur in a few years’ time?

Yanis Varoufakis: The eurozone’s design was such that even France and Italy could not thrive within it. Under the current institutional design only a currency union east of the Rhine and north of the Alps would be sustainable. Alas, it would constitute a union useless to Germany, as it would fail to protect it from constant revaluation in response to its trade surpluses.

Now, if by ‘criteria’ you meant the Maastricht limits, it is of course clear that Greece did not fulfil them. But then again nor did Italy or Belgium. Conversely, Spain and Ireland did meet the criteria and, indeed, by 2007 the Madrid and Dublin governments were registering deficit, debt and inflation numbers that, according to the official criteria, were better than Germany’s. And yet when the crisis hit, Spain and Ireland sunk into the mire. In short, the eurozone was badly designed for everyone. Not just for Greece.

Ran ans Geld der Reichen

“Ministerpräsident Alexis Tsipras will den Reichen ja ans Geld, zumindest hat er den Griechen dieses Wahlversprechen gegeben. Etliche Monate später legte er bei den jüngsten Verhandlungen mit der EU erste Vorschläge vor. Er präsentierte Eckdaten zu einer Reichensteuer: Mit einer Sonderabgabe von 12 Prozent wollte er Vermögende mit mehr als 500.000 Euro Einkommen belegen. Auch kleinere Einkommen von 20.000 bis 30.000 Euro sollten 1,4 Prozent zusätzlich abgeben. Doch die Troika untersagte die Umsetzung. Erst wenn das Gesamtpaket zur Rettung endgültig abgesegnet sei, könne Griechenland solche Maßnahmen ergreifen.”

Und wo ist die Reichensteuer jetzt? Ganz sicher findet sie sich nicht in den oktroyierten Mehrwertsteuererhöhungen…

The dangerous economic thinking that’s killing Greece and threatening the European Union

“Among the puzzling aspects of the MoU [Memorandum of Understanding] are demands for reforms on things as seemingly trivial as milk. While pensioners are eating out of garbage cans, the troika has been haggling over how old a carton of milk can be if it is to be labeled ‘fresh.’ [Joseph] Stiglitz observes that if you look closely you see that special interests—in this case the big dairy companies of Holland—appear to be behind the reforms. Dutch milk sellers would prefer that their milk, which travels long distances to reach Greece, be labeled fresh, a move that will only hurt local dairies. By discouraging local production, the MoU paves the way for even more Greek unemployment and less demand for goods and services — hardly a recipe for economic health. (The chairman of the Eurogroup, it may be worth noting, is Jeroen Dijsselbloem, the Dutch finance minister.) […]

Instead of remembering the terrible consequences of mass unemployment following WWI, many Germans insist that it was hyperinflation that led to Hitler, and so they tend to support central bank policies that guard against that problem rather than the far more worrisome specter of joblessness.

As Stiglitz describes, the result of all this historical amnesia and economic blindness is a ‘Dickensian’ nightmare that recalls 19th-century debtors prisons where people were punished for the inability to pay debts and locked (literally) into a situation in which paying them was, of course, impossible. Only now, the prisoner is an entire country.”

Den linken Euro gibt es nicht

“Angesichts eines Euroraums mit heterogenen wirtschaftlichen Dynamiken muss sich die EZB bei der Setzung der Nominalzinsen an Durchschnittswerten orientieren und die Konjunkturen der Euro-Teilnehmer damit auseinandertreiben, statt zu ihrer Konvergenz beizutragen. Gleichzeitig schlägt der Euro seinen Teilnehmern drei der vier Instrumente makroökonomischer Anpassung aus der Hand: die Zinspolitik, die Wechselkurspolitik und, rechnet man den Fiskalpakt dem Euroregime zu, auch die Budgetpolitik. Die makroökonomischen Anpassungslasten verbleiben daher bei der Lohnpolitik und den Politikfeldern, die die Lohnpolitik mittelbar beeinflussen, was vor allem für die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik gilt. Wenn also heute in Europa allerorten Lohnflexibilität eingefordert wird, ist das nicht zuletzt eine direkte Folge des Euro. […]

Allerdings ist die Eurokrise nicht nur, erstens, eine Nachfragemangelkrise und, zweitens, eine private und öffentliche Verschuldungskrise, sondern auch und vor allem, drittens, eine Wettbewerbs- und Leistungsbilanzkrise. […]

Die Konjunkturkrise des Südens entfaltet sich aber vor dem Hintergrund einer erheblichen effektiven Überbewertung des Südeuros, entstanden aus der vom Euro selbst begünstigten Spaltung der innereuropäischen Wachstumsdynamiken bis zur Eurokrise und aus dem Mangel an Lohnkoordination. Jede Lösung der Eurokrise muss also nicht nur auf mehr Nachfrage im Süden hinwirken, sondern gleichzeitig darauf, dass sich die relative Überteuerung südeuropäischer Erzeugnisse wieder so weit abbaut, dass die wünschenswerten Belebungen der Binnennachfragen wirklich den heimischen Produzenten zugutekommen, statt lediglich neue Importschwemmen zu entfachen. Leider ist schwer zu erkennen, wie die Gleichzeitigkeit von Nachfragestabilisierung und Korrektur der verzerrten Wechselkurse innerhalb des Euro gelingen kann. Das macht die Kombination von Investitionsoffensive und kräftiger nominaler Abwertung (= Euro-Austritt) zu einer bedenkenswerten Option.

MarketWatch OpEd: Germans begin the looting of Greece

“Under the terms of the new bailout accord, which provides 86 billion euros of new debt to a government already vastly overindebted, the country must sequester 50 billion euros worth of public assets to sell off at distressed prices to mostly foreign bidders—with German companies first in line. […]

But the plundering that has now begun unmasks the whole euro charade for what it really is—a war of conquest by money rather than by arms.

Privatization is a standard feature of the neoliberal policy mix seeking smaller government, less state intervention and more free-market competition. (Privatization, of course, leads just as often to crony capitalism, while some services, such as electricity and trains, are arguably more efficient as government-owned monopolies.)

But privatization in the context of the bailout accord is tantamount to expropriation, like forcing a bankrupt to sell the family silver in order to pay off debts. […]

How anyone can view this blatant profiteering as furthering the process of European integration is a mystery. How any European can look at this naked German aggression with equanimity is also baffling.

Inszeniertes Theater vor aufziehendem Finanz-Tsunami

“Auch wenn in vielen Medien Tag für Tag etwas anderes behauptet wird: Nicht nur Griechenland, sondern das gesamte 2008 mit dem Geld der Steuerzahler gerettete globale Finanzsystem befindet sich derzeit in allerhöchster Not. Zudem ist auch die Stabilität des politischen Systems aufs höchste gefährdet, denn einer stetig wachsenden Zahl von Menschen wird immer klarer: Alle Versprechungen nach dem Crash von 2008 waren nichts als Lügen. […]

Die Politik hat die Finanzindustrie zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd in ihre Schranken gewiesen oder gar reguliert. Im Gegenteil: Großbanken, Hedgefonds und andere internationale Finanzinstitutionen bestimmen den Lauf der Welt heute unumschränkter als je zuvor und ihre Kriminalität wird, wie die vielen Enthüllungen um Markt-Manipulationen zeigen, mit jedem Tag deutlicher [*]. Genauso wie die immer schwerer zu verhüllende Tatsache, dass viele Mainstream-Medien und Politiker nichts anderes tun, als den Menschen die Interessen der Finanzindustrie als die eigenen zu verkaufen. […]

Finanzminister Schäuble erhielt zum x-ten Mal die Gelegenheit, die Unwahrheit vom ‘guten Weg, auf dem sich Griechenland im letzten Jahr befand’, zu verbreiten und sich damit erneut in die ideologischen Fußstapfen eines allseits bekannten Politikers zu begeben, der bereits vor achtzig Jahren erkannte, dass eine Lüge nur oft genug wiederholt werden muss, um sich im kollektiven Bewusstsein des deutschen Volkes einzubrennen.

[* Banken zahlen 260 Milliarden Dollar Strafe: ]

Deutschlands Wirtschaftskrieg [Chart]

“Es war selbstverständlich der rabiate Merkantilismus, die mittels der Agenda 2010 forcierte extreme Exportausrichtung der deutschen Wirtschaft, die Deutschland den Weg zur gegenwärtigen Wirtschaftsdominanz ebnete. Die enormen Handelsüberschüsse Deutschlands sind die Schulden der Defizitländer. Dieser aggressive Neomerkantilismus Berlins, der einem Wertraub gleichkommt und Schulden, Arbeitslosigkeit und Deindustrialisierung exportiert, lässt sich eindeutig empirisch verifizieren. Der Beitrag der BRD an der Ausbildung der europäischen Schuldenkrise, die Berlin zur Ausformung des deutschen Europas nutzen konnte, lässt sich auf Heller und Pfennig beziffern. Die folgende Grafik illustriert noch mal die kumulierten deutschen Leistungsbilanzüberschüsse gegenüber den südeuropäischen Krisenländern Griechenland, Portugal, Spanien und Italien bis zum ersten Quartal 2015.”

[Anmerkung: … und dieser Chart hat es in sich! Unbedingt auf den Link unten klicken!]

“Von den 829,341 Milliarden Euro an Leistungsbilanzüberschüssen, die Deutschland gegenüber der Eurozone bis zum ersten Quartal 2015 anhäufte, entfielen auf die Südperipherie mehr als die Hälfte, nämlich 451,784 Milliarden Euro. Wie aus der Grafik ersichtlich wird, wurden diese Überschüsse erst nach der Euroeinführung erzielt. Die deutsche Beggar-thy-neighbor-Politik entzog den besagten südeuropäischen Volkswirtschaften somit Wertschöpfung im Umfang einer knappen halben Billion Euro in nur einem Dutzend Jahre. […]

Letztendlich führen die deutschen Funktionseliten eine Art Wirtschaftskrieg, um eine hegemoniale Stellung der Bundesrepublik innerhalb Europas zu erringen, wobei sich Berlin gerade auf die neoliberalen Regierungen in den europäischen Krisenstaaten stützen kann, die um reiner Machterhaltung willen keine europäische Alternative zu Austerität und Sparregime dulden können. Sie würden sonst an den Wahlurnen hinweggefegt. Diese südeuropäischen Regierungen – etwa in Spanien oder Portugal – agieren somit tatsächlich als wirtschaftspolitische Kollaborateure Berlins, die offensichtlich entgegen den wirtschaftlichen Interessen ihrer eigenen Bevölkerung handeln. Wer ausschert und sich wehrt, an dem wird ein Exempel statuiert.”

Alice in Schäuble-Land: Where rules mean what Wolfgang says they mean

“A key argument [Wolfgang Schäuble] has been putting forward is that a debt write-down for Greece ‘would be incompatible with the currency union’s rules’ but that such a write-down would be possible if Greece left the euro.

While this claim is being widely repeated in the German press, the truth is it is really Grade-A concern trolling (‘I’d love to help you guys but I can only do it if you leave the euro’) dressed up as legal argumentation. […]

[T]here is no ‘Eurozone rule’ against a writing off Greek debt. […]

Beyond Mr. Schäuble’s selective interpretation of Europe’s rules, there has been a wider commentary in recent weeks implying the necessity of being tough on Greece because it has ‘broken the rules’ of the Eurozone. […]

[The Wall Street Journal’s Simon] Nixon explains the real rule that Tsipras has broken:

Like Italy’s Matteo Renzi, France’s François Hollande and others before him, Mr. Tsipras has had to learn the rules of the European game: that you don’t gain leverage over other leaders simply by winning elections—they have all done that—but by winning their respect by showing you have the capacity to make tough decisions at home.

This gets it about right. The rules that Tsipras has broken are unwritten rules that reflect the power the euro area’s creditor states have to ruin any member states that don’t do as they are ordered. Accepting such a large loan from these states in 2010 was probably the biggest mistake in Greece’s economic history. Indeed, I would bet most Greeks wished now there really had been a no-bailout rule.”äuble-land-where-rules-mean-what-wolfgang-says-they-mean-f0f327fa8a6d